„Gelebte Inklusion – Edith-Stein-Schule goes grenzenlos“

(wus/18.05.2017) Eine spannende Kooperation: die Edith-Stein-Schule in Hochheim und das WUS-Projekt „Grenzenlos“ verbinden Methoden des Globalen Lernens mit Inklusionsansätzen in der beruflichen Bildung.

Das Leitmotiv der Edith-Stein-Schule stellt den Menschen in den Mittelpunkt aller Aktivitäten und lebt Inklusion auch in der beruflichen Ausbildung. Schüler/-innen mit und ohne Behinderung werden aufs Berufsleben in fünf Schulformen in den Berufsbereichen „Wirtschaft und Verwaltung“ und „Pflege und Soziales“ vorbereitet. Bei diesem ganzheitlichen Ansatz der Schule ist klar: Lehrkräfte und Schüler/-innen wagen auch einen Blick über den Tellerrand – z.B. im Projekt „Grenzenlos – Globales Lernen in der beruflichen Bildung“. Engagierte Lehrkräfte an der Edith-Stein, haben sich auf das Grenzenlos-Abenteuer eingelassen: Bereits viermal brachten Grenzenlos-Studierende aus Afrika, Asien und Lateinamerika als Referent/-innen für entwicklungspolitische, Nachhaltigkeits- und Globalisierungsthemen frischen Wind aus der großen weiten Welt in den Unterricht. Und weitere Termine sind in Planung. Bisher zeigen die Grenzenlos-Einsätze an der Edith-Stein-Schule, dass Globales Lernen den Inklusionsgedanken stärkt. Denn ob mit oder ohne Behinderung: Alle sind gleichermaßen dazu eingeladen, sich kritisch mit den Folgen der eigenen Lebensweise und des eigenen Konsum auseinanderzusetzen, Verantwortung zu übernehmen und Handlungsoptionen zu entwickeln.

Beispielsweise schilderte Swapnila, Studentin der Humanmedizin, bei ihrem Grenzenlos-Einsatz am 16. Februar 2017 im Fach Englisch vor der Fachoberschulklasse 12 die Folgen des Klimawandels in Nepal und Bangladesch, die sie selbst in ihrer Heimat Nepal erlebt hat. Unterstützt von den beiden Lehrkräften, Margret Kern-Schriewer und Kati Twietmeyer, entführte Swapnila die Schüler/-innen  mit einem landeskundlichen Einstieg nach Nepal und Bangladesch. Mit einem Beitrag begleitet von Fotomaterial und einem Film, sensibilisierte sie die Schüler/-innen für die verheerenden Folgen des Klimawandels, wie z.B. der Gletscherschmelze in Nepal oder den Meeresspiegelanstieg in Bangladesch. Swapnila äußerte sich begeistert: „Die Schüler waren gut informiert über den Klimawandel weltweit. Von daher waren einige Schüler sehr aktiv. Meine Infos und die Diskussionen zu den Videos haben die Probleme klar dargestellt und haben geholfen, Lösungsvorschläge in der Gruppe zu erarbeiten.

Um Fair Trade und Kaffee ging es gleich bei zwei Einsätzen, bei Klassen der Lehrkräfte Tanja Ahting,  Sarah Groneberg, Lars Großhennrich und Renate Hofmann. Am 03. Und am 29. März 2017 fragten Ankisawi, der äthiopische Student der Philosophie, und Cyrus aus Kenia, der in Frankfurt Sozialwissenschaften studiert, die Edith-Stein-Schüler/innen:„Kaffee – Genuss oder Ausbeutung?“. Um einen kritischeren Blick auf das Alltagsgetränk Kaffee zu bewirken, vermittelten die beiden vertieftes Wissen über die Lieferkette von Kaffee und die Preispolitik. Sie erläuterten, welche Rolle Kinderarbeit auf Kaffeeplantagen spielt und zeigten auf, was Fair Trade bewirken kann. Die zwei arbeiteten mit klassischen didaktischen Methoden wie PowerPoint-Präsentationen und Diskussionsrunden. Doch auch interaktive Methoden wie ein Planspiel setzten sie problemlos in den gemischten Klassen um. Rückblickend findet Cyrus bemerkenswert, dass die „Schüler/-innen im Verlauf des Workshops vor allem an Lösungen der angesprochenen Probleme interessiert waren. Dass wir als Studenten aus dem globalen Süden den Workshop angeboten haben, fanden die Schüler/-innen positiv“.

Auch der Workshop „Vergessene Krankheiten“ am 30. März wurde von den Schüler/-innen interessiert angenommen. Winfred, die kenianische International-Business-Studentin an der Frankfurt School of Finance and Management, und Swapnila, die an der Uni Gießen Humanmedizin studiert, stellten im Lernfeld 6 „sozialpflegerische Berufsbereiche“ bei zwei Klassen der Berufsfachschule Unter- und Oberstufe der Lehrerinnen Ulrike Erlenbach, Kerstin Pulm, Dr. Gabriele Söhling, und Karin Winterholler Infektionskrankheiten wie Pest und Lepra vor. Die Schüler/-innen bemerken abschließend erstaunt, dass „die Krankheiten keineswegs ausgestorben sind, nur weil es sie in Europa nicht mehr gibt“.

Als besonders wertvoll schätzen die Lehrkräfte an der Edith-Stein-Schule, wie z.B. Dr. Gabriele Söhling, die authentische Wissensvermittlung durch die Grenzenlos-Referent/-innen ein. Mit Grenzenlos erwerben die Schülerinnen und Schüler auf anschauliche Weise interkulturelle Kompetenzen im heimischen Klassenzimmer fürs weltweite Berufsleben von morgen.

„Grenzenlos – Globales Lernen in der beruflichen Bildung“ ist ein Projekt des World University Service (WUS) und wird gefördert von ENGAGEMENT GLOBAL im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und aus Mitteln der beteiligten Länder. Der WUS ist eine 1920 gegründete internationale, politisch und konfessionell nicht gebundene Organisation von Studierenden, Lehrenden und Mitarbeitenden im Bildungssektor. WUS-Deutschland ist eines von weltweit über 50 Komitees, die sich gemeinsam für das Menschenrecht auf Bildung einsetzen.