Published Date: 
11.10.2023

Nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan war sehr schnell klar, dass die Taliban, wie bereits während ihrer Herrschaft zwischen 1997 und 2001, den Bildungszugang für Mädchen und Frauen massiv einschränken und die Universitäten für Frauen gänzlich sperren würden. Um nicht wieder Generationen von afghanischen Studentinnen ein Studium zu verwehren und afghanischen Studierenden insgesamt ein ideologiefreies Studium zu ermöglichen, sowohl innerhalb als auch in den Flüchtlingslagern außerhalb Afghanistans, organisierte der World University Service Deutsches Komitee e. V. (WUS) mit Unterstützung des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen (HMWEVW) am 10. Dezember 2021 in Frankfurt eine internationale Findungskonferenz zum Aufbau einer afghanischen Online-Exil-Universität. Der Konferenztermin wurde bewusst am 10. Dezember gewählt, dem internationalen Tag der Menschenrechte. Denn Bildung ist ein Menschenrecht!

Hierzu erarbeitete ein Team von renommierten Hochschulexperten, wie z. B. Prof. Dr. Dr. h.c. Ulrich Teichler, Vorsitzender des Stiftungsrates der Zentralen Evaluations- und Akkreditierungsagentur (ZEvA) und ehemaliger Direktor des International Center for Higher Education Research (INCHER-Kassel) und Prof. Dr. Wolf Rieck, ehemals Präsident der Vietnamese-German University und Prof. Dr. Kawa Nazemi, Leiter des Fachgebiets Mensch-Computer-Interaktion und Visual Analytics der Hochschule Darmstadt, ein Konzept für eine Online-Universität.

Auf der Konferenz in Frankfurt wurde das Konzept seitens afghanischer Exil-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Studierender und ehemaliger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des afghanischen Hochschulministeriums und afghanischer Exil-Politikerinnen und Politikern, sowie internationaler Hochschulexpertinnen und -experten eingehend diskutiert und Änderungsvorschläge zum Konzept eingebracht. Kernidee einer solchen Online-Universität ist es, Studiengänge in Geistes- und Sozialwissenschaften anzubieten, die von den Taliban gestrichen wurden: Pädagogik ebenso wie Sozialarbeit, Psychologie und Politikwissenschaft, aber auch IT, Betriebswirtschaft und Nachhaltige Energiesysteme. Hier ist eine Zusammenarbeit mit Partneruniversitäten vorgesehen, sodass die Studierenden einen anerkannten Doppelabschluss erhalten. Die Lehrveranstaltungen werden auf Englisch sein, denn es geht nicht zuletzt darum, dass die Absolventinnen und Absolventen im Anschluss gute Chancen auf dem internationalen Arbeitsmarkt haben sollen. Auch in den Nachbarländern Afghanistans herrscht in einigen Bereichen Fachkräftemangel. Die Lehrkräfte werden afghanische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sein, um auch ihnen, die sich im Exil befinden, eine adäquate Beschäftigungsmöglichkeit zu bieten und damit ihre wissenschaftliche Kompetenzen in Wert zu setzen und ihnen internationale Forschungskooperationen zu eröffnen. Die Online-Universität ist für 5000 Studienplätze konzipiert mit jährlichen Betriebskosten von 30 Millionen EUR. Das Europaparlament hat am 7. April 2022 in einer Resolution u. a. die Europäische Kommission ermutigt, die geplante Afghanistan Online-Universität mitzufinanzieren.

Das Land Hessen und der WUS haben mit der Findungskonferenz, am Tag der Menschenrechte, einen Beitrag für den Aufbau eines unabhängigen, freien und selbstbestimmten Afghanistans geleistet.

Info: Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, Kaiser-Friedrich-Ring 75, 65185 Wiesbaden, Tel. 0611 8150, info[at]wirtschaft.hessen.de,www.ez-der-laender.de/sites/default/files/bundeslaender/Download/HE_2_Bericht_der_Hessischen_Landesregierung_zur_entwicklungspolitischen_Zusammenarbeit_fuer_die_Jahre_2020_und_2021.pdf