Published Date: 
26.11.2018

Projektbeitrag: GEW 2008

Billige Kleidung mit Haken und Ösen. Wer zahlt unsere Schnäppchen?

Im Rahmen der vom Nord-Süd-Zentrum des Europarates ausgerichteten Global Education Week führt effigy ein halbtägiges Projekt mit Vorträgen, Video-Dokumentation und Diskussion durch.

Die Veranstaltung findet mit Unterstützung des Kommunalen Frauenreferates, Wiesbaden und in Kooperation mit dem World University Service als Ausrichter der Global Education Week in Deutschland statt.

Ob arm oder reich, ein großer Teil der Bevölkerung sucht nach Textilschnäppchen. Was aber für uns hier billig ist, hat seinen Preis: Wie mehrere Einzelstudien ausführlich belegen, werden in Indonesien, China, Bangladesh und anderen Produktionsländern von Discountern wie Aldi, Kik, Lidl, um nur einige zu nennen, grundlegende Arbeitsrechte in bisher ungeahntem Ausmaß verletzt.  Wir kennen die Bilder aus asiatischen Fabriken, in denen überwiegend Frauen und auch Kinder unter miserablen Bedingungen Hosen, Jacken und Kleider für den Weltmarkt herstellen. Viele dieser Kleidungstücke landen bei den Discountern in Deutschland und werden dort Woche für Woche billig angeboten und erworben. Gerade die bundesweit gröten Discounter zeichnen sich durch völlige Abschottung nach Außen aus. Über die Herkunft der angebotenen Textilien und die Bedingungen, unter denen sie produziert werden, hüllen sich diese Unternehmen in Schweigen.

Mehrere Nicht-Regierungsorganisationen und Forschungsinstitute haben sich zusammengetan und dieses Dunkelfeld nun aufgehellt. Zulieferfirmen wurden ausfindig gemacht, die in Indonesien, China oder Bangladesh Textilien für unsere Billigläden herstellen lassen. Die Maxime in den dortigen Fabriken lautet: Die Beschäftigten (zu 80 % Frauen und Mädchen) werden schlecht bezahlt, haben keine Rechte und verlieren umgehend ihre Arbeit im Falle von Krankheit oder Schwangerschaft, oder wenn sie es wagen, bessere Bedingungen einzufordern. Die ILO (Internationale Arbeitsorganisation) und ein großer Kreis von Organisationen und Instituten haben mehrere Aktionen und Initiativen gestartet, um die Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie weltweit zu verbessern.

Die Veranstaltung "Billige Kleidung mit Haken und Ösen. Wer zahlt unsere Schnäppchen?" möchte über die Missstände informieren und zur Aufklärung beitragen. Wir möchten zunächst Jugendliche ansprechen, deren Kauf- und Konsumverhalten oft gerade nicht dem entspricht, was sie selbst im Schulunterreicht lernen. Die Gruppe von VerbraucherInnen, die im Alltag das Bedürfnis haben, modische und qualitativ gute Kleidungsstücke zu tragen und die sich vom "Geiz-ist-geil-Prinzip" leiten lassen, möchten wir ebenso gezielt ansprechen, ohne das Bedürfnis nach bezahlbarer Mode infrage zu stellen. Doch möchten wir vermitteln, dass jede/r Einzelne es in der Hand hat, ob weiterhin Menschen rechtlos und ohne angemessene Bezahlung für unseren Bedarf produzieren müssen, oder ob ihre Arbeitsbedingungen sozialen und ökologischen Anforderungen gerecht werden.

Aus ethnologischer Sicht sind die Auswirkungen, die diese Umstände in der Textilindustrie mit sich bringen, auch noch in Afrika zu spüren und kulturell zerstörerisch. In vielen westafrikanischen Ländern, wo traditionell Baumwolle angebaut und verarbeitet wurde, liegt die lokale Stoffherstellung weitgehend brach. Die traditionellen Techniken zum Färben, Weben, Schneiden und Anfertigen von Kleidung werden nicht mehr angewendet. Der afrikanische Markt wird stattdessen mit Billigware aus Asien und mit Altkleidern aus Europa überschwemmt. Der Altkleidermarkt hat sich inzwischen zu einem sehr lukrativen und korrupten Geschäft entwickelt. In der Veranstaltung möchte effigy auch auf diese Problematik eingehen: Ansatzweise möchten wir die Beeinträchtigung der Indigenen Kultur und der Würde der Menschen am Beispiel Mali aufzeichnen. Auf dem globalisierten Massenmarkt lässt sich zudem ein allmähliches Verschwinden der Formenvielfalt feststellen. Weltweit werden, bis auf wenige Ausnahmen, die gleichen Kleidungsstücke getragen. Effigy setzt sich nicht zuletzt für die Erhaltung aller länder- und kulturspezifischen Differenzen ein.

effigy-consulting, Agentur für kulturanthropologische Projektentwicklung, wurde im Januar 2005 gegründet und hat ihren Sitz in Wiesbaden. Die Agentur hat folgende Arbeitsschwerpunkte:

  • Die Implementierung zahlreicher Projekte der Entwicklungszusammenarbeit kann nicht ohne Berücksichtigung kulturell fremder Gegebenheiten stattfinden. Effigy liefert die notwendige kultur-wissenschaftliche Untermauerung zum Gelingen des Projektes in Form von Recherchen und Informationsberichten zu ethnologischen, regionalen Besonderheiten der jeweiligen Partnerländer, sowie Handlungsvorschläge.
  • Effigy bietet qualifizierte Beratung an Museen, Galerien für außereuropäische Kunst,  Wirtschaftsunternehmen, Sammler und Projektträgern im Bereich der materiellen Kultur.
  • Effigy entwirft und organisiert kulturhistorische, emanzipatorische Ausstellungen.
  • Fragen der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit, der Umwelt und  des fairen Handeln, der Kunst-Produktion und des interkulturellen Dialogs werden aufgeworfen, verglichen und zur Weiterentwicklung gestellt. Durch Informationsveranstaltungen, Workshops und Vorträge strebt Effigy die Sensibilisierung der Gesellschaft auf die globalen Dimensionen unseres Alltages an. Das Wissen über das kulturelle 'Andere', über die Hintergründe und Zusammenhänge ist für Effigy die wichtigste Voraussetzung  für ein friedliches Miteinander.

Die Veranstaltung findet statt am 27. November 2008, von 16:30 Uhr bis ca. 19:30 Uhr im Frauen-Kommunikationszentrum, Walramstr. 16a, 65183 Wiesbaden

Hier können Sie den Flyer zur Veranstaltung als PDF dowloaden.

 
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