Autor: 
Wolfram Stierle
Jahr: 
2020
ISBN: 
978-3-96238-222-3
Preis: 
20,00€

An der Notwendigkeit einer nachhaltigen Transformation lässt sich nicht zweifeln. Doch ist Politik, insbesondere Entwicklungspolitik, zu diesem Wandel fähig? Was ist die Aufgabe von Entwicklungspolitik und was kann Entwicklungspolitik leisten? 60 Jahre nach Gründung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und damit dem Beginn deutscher Entwicklungspolitik schreibt Wolfram Stierle ein Buch, das sich kritisch mit dem Entwicklungsparadigma auseinandersetzt.

Es beginnt mit einem Vorwort von Ernst Ulrich von Weizsäcker. Dieser lobt zwar die 2015 von den Vereinten Nationen verabschiedete Agenda 2030 als Rahmen für mehr Nachhaltigkeit, mahnt aber gleichzeitig, dass die Unterpunkte der Agenda nicht als rein ökonomische Wachstumsprogramme verstanden werden dürften. Auch Prof. Dr. Maja Göpel kommt zu Wort und kritisiert eine „privilegierte Verantwortungsverweigerung“: Während Entwicklungspolitik seit Jahrzehnten strapaziösen Strukturwandel für ein zukünftig gutes Leben von anderen Ländern fordere, sei es gerade das „gute Leben“ der modernen Industriegesellschaft, das nicht globalisierbar, da nicht nachhaltig ist.

Stierle erläutert dann untergliedert nach Jahrzehnt die traditionellen Kritikpunkte an Entwicklungspolitik, wie u. a., dass Entwicklungshilfe ausbeuterische Eliten an der Macht halte (Brigitte Erler, 1985) oder dass sie Nord-Süd-Abhängigkeiten fördere (Kum`a Ndumbe III., 1992). In einem zweiten Schritt verschärft Stierle diese Kritiken und erörtert einige Dilemmata und Aporien verschiedener entwicklungspolitischer Ansätze. In diesem Zusammenhang gerät auch das Grundproblem der Agenda 2030 in den Fokus: Nachhaltige Entwicklung bleibe weiterhin dem Wachstums- und Fortschrittsparadigma verpflichtet. Stierle macht deutlich, dass ein „weiter so“ der aktuellen Entwicklungspolitik nicht ausreicht, um auf eine nachhaltige Entwicklung umzusteuern. Er spricht sich jedoch gegen die radikale Forderung nach jeglichem Bruch mit entwicklungspolitischem Engagement aus. Sofern Entwicklungspolitik bestimmte Zukunftskompetenzen (Ambivalenz, Transformation, Modernität, Legitimität und Werte) besitze, bestünde weiterhin Hoffnung auf die Möglichkeit einer nachhaltigen Entwicklung.

oekom Verlag, München, 192 S., https://www.oekom.de/buch/ueber-leben-in-planetarischen-grenzen-9783962382223