Published Date: 
08.07.2022

„Wir könnten alle mehr auf Kleinigkeiten schauen und nicht davon ausgehen, dass eine kleine Tat nicht weiterhilft“, so ein motivierter Schüler der Fachoberschule der Kaufmännischen Schulen Marburg nach einer Grenzenlos-Lehrkooperation. Was war der Hintergrund?

An der beruflichen Schule in Nordhessen wird im Fach Politik stetig über aktuelle Themen, Krisen und Kriege, diskutiert. Neben der Corona-Pandemie und dem Krieg in der Ukraine sorgten vor allem der Klimawandel und der zunehmende missliche Umgang mit der Natur für großen Gesprächsbedarf in der Fachoberschule. Engagierte Lehrerinnen wie Anna Gewiese und der Politiklehrer Björn Trexler begegnen diesem Gesprächsbedarf, in dem sie regelmäßig außerschulische Bildungsreferentinnen und -referenten in den Unterricht einladen. So auch Neha Shrestha, nepalesische Studentin der Technischen Hochschule Mittelhessen. Sie ist „Grenzenlos-Aktive“ im WUS-Projekt „Grenzenlos - Globales Lernen in der beruflichen Bildung".  Das Projekt bringt seit 2016 die Themen der Agenda 2030 und die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals) in die beruflichen Schulen in Hessen und darüber hinaus. 

Die Aktiven sind Studierende aus Afrika, Asien und Lateinamerika. Sie vermitteln in den beruflichen Schulen ihr Fachwissen und ihre Erfahrungen aus ihren Ländern. Die Auszubildende und Schülerinnen und Schülern gewinnen Kompetenzen im Bereich der Agenda 2030 werden ermutigt, nachhaltig in unserer globalisierten Welt zu handeln. 

Dies gelingt Neha Shrestha dank ihrer methodischen Herangehensweise im Globalen Lernen. Hier sind Interaktion und Perspektivwechsel gefragt – Methoden, die Shresta ebenso wie die anderen rund 100 Aktiven zuvor in den Grenzenlos-Qualifikationsseminaren erworben hatte. So zog sie die Schülerinnen und Schüler der 12 FO mit ihrem Vortrag, einem kleinen Quiz und mehreren Schätzfragen schnell in ihren Bann: „Welches sind die großen Müllquellen, die zum Müll im Meer beitragen?“ oder „Wie viel Prozent des weltweit produzierten Mülls ist auf der Meeresoberfläche auffindbar?“. Neben der Problemorientierung diskutierte Neha Shrestha auch passende Lösungsansätze. Die Schülerinnen und Schüler waren sichtlich beeindruckt und gaben ein durchweg positives Feedback. 

Im Rahmen ihrer Präsentation zeigte sie realistische Bilder aus ihrem Heimatland Nepal, die einen bleibenden Eindruck bei den Anwesenden hinterließen. Die Lehrkooperation war dem 12. Nachhaltigkeitsziel der Vereinten Nationen zuzuordnen: „Nachhaltige/r Konsum und Produktion“. Es wurde diskutiert, inwiefern unser Konsum im Globalen Norden Einfluss auf die Bedingungen vor Ort, in Neha Shrestas Heimatland Nepal, hat.

Die Kaufmännischen Schulen Marburg werden auch in Zukunft weitere solcher Lehrkooperationen durchführen mit dem langfristigen Ziel, selbst eine „Grenzenlos-Schule“ zu werden und so ihren Beitrag zum Erreichen der in der Agenda 2030 festgelegten 17 Nachhaltigkeitsziele zu leisten.

Das Projekt „Grenzenlos—Globales Lernen in der beruflichen Bildung“ wird vom Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung den Ländern Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland sowie von ENGAGEMENT GLOBAL im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert. In Hessen ist das Projekt Teil der Dachmarke „Nachhaltigkeit Lernen in Hessen“, des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.